Troilus & Cressida
deutsch-französisches Theater-Atelier in drei Arbeitsphasen
unter der Leitung von Dieter E. Neuhaus und Isabelle Diligent
1. Arbeitsphase vom 2. bis 9. September 1995 in Valras-Plage
2. Arbeitsphase vom 26. November bis 28. Dezember 1995 in Bayreuth
3. Arbeitsphase vom 20. Januar bis 4. Februar 1996 in Montpellier mit anschließender Tournee durch Frankreich und Deutschland
Das Theater-Atelier zu "Troilus & Cressida" von William Shakespeare, das sich über insgesamt drei Etappen erstreckte, stellte ein weiteres außergewöhnliches Projekt des deutsch-französischen forums junger kunst dar. Ziel war es, dieses Stück englischen Ursprungs über Krieg und Liebe aus deutscher und aus französischer Sicht zu interpretieren. Den Grundstock der Inszenierung bildeten dabei drei intensive Arbeitsphasen, in deren Verlauf zwei Regisseure (deutsche Regie: Dieter E. Neuhaus; französische Regie: Isabelle Diligent) zwei Dramaturgen und ein Ausstattungsteam mit jungen deutschen und französischen SchauspielerInnen eigenwillige Zugangsweisen zu dem Stück entwickelten, um schließlich eine neue Version von "Troilus & Cressida" auf die Bühne zu bringen.
Die erste Arbeitsphase in Valras-Plage (Frankreich) Anfang September 1995 diente vor allem dem Gruppenfindungsprozess und der Grundlagenarbeit. Die Teilnehmer konnten sich kennenlernen und sich mittels Training und Improvisationen dem Stück annähern. Zu Beginn der zweiten Etappe des Ateliers in Bayreuth im November 1995 wurden dann bereits die Rollen verteilt, da die Regisseure noch vor Beginn der zweiten Arbeitsphase eine Fassung des Stücks mit entsprechendem Spieltext erstellt hatten. Dies ermöglichte den jungen Künstlern den unmittelbaren Einstieg, d.h. die konkrete Arbeit am Text und an den Rollen. Die dritte Arbeitsetappe in Montpellier Ende Januar 1996 galt schließlich der Inszenierung bis zur Aufführungsreife. Und das Ergebnis dieser "Feinarbeit" konnte sich mehr als sehen lassen. Bei der Premiere am 2. Februar 1996 im Théâtre Jean Vilar in Montpellier begegneten sich - vor begeistertem Publikum - zwei Inszenierungen auf der Bühne, die sich ergänzten und widersprachen, die sich gegenseitig des Personals bedienten und so die von Shakespeare vorgegebene Stückstruktur für ihre zweisprachige Auseinandersetzung mit dem Thema nutzten. Auch die anschließenden Vorstellungen des ungewöhnlichen zweisprachigen Theaterprojekts in Bad Homburg sowie im Theatersaal der Universität Saarbrücken waren ein voller Erfolg.
Künstlerische Leitung
Dieter E. Neuhaus (D)
studierte Germanistik, Theaterwissenschaften und Philosophie in Köln, Berlin und Bochum. Nach seiner Tätigkeit als Dramaturg, Regisseur und Schauspieler an den Theatern in Schleswig, Luzern, Bonn und Freiburg im Breisgau arbeitete er ab 1985 freiberuflich. Zu seinen Inszenierungen gehören unter anderem Hovrath, "Glaube, Liebe, Hoffnung"; Balderston/Dean "Dracula"; Kroetz "Oberösterreich"; Molière, "Der Geizige"; Shakespeare, "Macbeth" und Behan, "Richards Korkbein". Als Dramaturg beschränkte er sich nicht nur auf das Sprechtheater, sondern sammelte auch zahlreiche Erfahrungen im Musiktheater. Des weiteren machte er sich einen Namen als künstlerischer und organisatorischer Leiter großer Theaterprojekte, in deren Rahmen es ihm gelang, ganze Städte zu mobilisieren und auch Amateure zu integrieren: "Der jungen Mannen Spiegel" von Jos Murer (Zürich, 1975) - "Hexen in Offenburg und der Ortenau" (Offenburg, 1985) - "Festspiel Sempach" (Luzern, 1986) - "Die Emmendinger Jahrhundertfeier" (Emmendingen, 1990) - "Das Weidener Stadtschauspiel" (Weiden i.d.Opf., 1992) - "Das Klosterspiel von Brauweiler" (Pullheim, 1993). In seinen eigenen Rezitationsprogrammen verbindet er die Arbeit des Dramaturgen mit der des Schauspielers und Regisseurs. So entstanden z.B. Programme zu Martin Walser und Friedrich Hölderlin oder "Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner binnen 98 Minuten". Auftritte und Gastspiele im gesamten deutschsprachigen Raum mit diesen Ein- oder Zwei-Personenstücken vervollständigen seinen Tätigkeitsbereich. Zudem war Dieter E. Neuhaus seit Beginn des deutsch-französischen Theater-Ateliers des forums 1991 mehrfach als dessen deutscher künstlerischer Leiter tätig.
Isabelle Diligent (F)
erhielt ihre Ausbildung als Schauspielerin und Sängerin am Conservatoire National de Région in Besançon. Immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen und Ausdrucksmöglichkeiten arbeitete sie unter anderem unter Jean-Luc Lagarce in "Hollywood" am Théâtre de la Roulette; unter Philippe Adrien am Théâtre de la Tempête in Paris; sie spielte, tanzte und sang unter der Regie von Martine Fioux in "Miroir des Apparences" und interpretierte unter Ghislaine Lenoir die Lotte in "Groß und Klein" von Botho Strauß und Hermidas im "Triumph des Lieben" von Marivaux. Fasziniert von den Möglichkeiten der Sprache arbeitete sie im Centre de Linguistique Appliquée in Besançon und machte es sich fortan zur Aufgabe, über die Ausdrucksmittel des Theaters Sprache und Fremdsprache begreifbar zu machen und zu vermitteln.
So war ihre Lehrtätigkeit im Fach Schauspiel am Conservatoire auch nur ein kurzes Zwischenspiel, um später verstärkt ihr Können als Schauspielerin und Pädagogin im schulischen Bereich einzubringen. Körpersprache als Möglichkeit sprachliche Hemmschwellen zu überwinden und eine Fremdsprache zu erlernen. In diesem Zusammenhang war Isabelle Diligent Mitinitiatorin und künstlerische Leiterin eines Pilotprojektes, das vom Institut Français in Freiburg und der Académie von Strasbourg und Besançon organisiert wurde, und als dessen sichtbares Ergebnis ein zweisprachiges Theaterstück entstand. Bereits im Jahr 1994 arbeitete Isabelle Diligent - im Rahmen der deutsch-französischen Theaterproduktion "Jeanne d’Arc" - als französische künstlerische Leiterin des zweisprachigen Theater-Ateliers des forums.


