Im Brunnen
11. Musiktheater-Atelier
von Vilém Blodek
vom 29. März bis 14. April 1996
in Bayreuth
Deutsche Erstaufführung der Komischen Oper in einem Akt "Im Brunnen"
Vilém Blodek (1834 - 1874) gehörte zusammen mit Friedrich Smetana zu den großen Hoffnungen der tschechischen Nationalmusik. Noch heute gehört die einzig vollendete Oper des sehr früh verstorbenen Komponisten "Im Brunnen" im tschechischen Sprachraum zum festen Bestandteil des Opernrepertoires. Für den volkstümlichen Stoff verarbeitete Blodek Einflüsse sowohl Smetanas, als auch von Komponisten der älteren Romantikergeneration wie etwa Mendelsohn und Nicolai. Er entwickelte eine durchaus eigenständige Musiksprache, die sich mit ihrem Melodienreichtum und ihrem böhmischen Lokalkolorit aufs glücklichste mit einem volkstümlich-romantischen Sujet verband.
Zum Inhalt des Werkes
Lidunka, ein junges Mädchen, liebt Vojtech, einen jungen Mann aus ihrem Dorf, wird von ihrer Mutter aber zur Ehe mit dem reichen Witwer Janek getrieben. Die alte, weise Veruna (vielleicht eine Hexe?) rät ihr, nachts und bei Vollmond in den Brunnen zu schauen; dort werde sie das Gesicht des ihr bestimmtem Mannes sehen....
Seit der Uraufführung 1867 in Prag ist "Im Brunnen" fester Bestandteil des Repertoires in Tschechien; in Deutschland hingegen ist dieser Komponist zu Unrecht vergessen. Das forum nahm sich 1996 dieses Komponisten an und ließ mit der deutschen Erstaufführung in Bayreuth im April 1996 einem Werk Gerechtigkeit widerfahren, das durchaus einen Platz auf deutschen Bühnen verdient. Das Ensemble dieses Musikheater-Ateliers bestand aus jungen Musikern aus Frankreich, Deutschland und Tschechien, das unter der musikalischen Leitung von Nicolaus Richter und in der Regie von Stephan Jöris den Operneinakter von Blodek einstudierte. Auch die komplette Bühnenausstattung entstand während des Ateliers - in Zusammenarbeit von deutschen und französischen Studenten aus den Bereichen Bühnenbild, Kostüm, Maske und Lichttechnik. Dabei entstand ein absolut professionelles Ergebnis, das in der deutschen Premiere am 11. April 1996 im Europasaal des Internationalen Jugendkulturzentrums Bayreuth vorgestellt wurde.
Künstlerische Leitung
Nicolaus Richter (D)
studierte Violine an der Hochschule für Musik Köln. Seine Orchesterkarriere führte ihn nach Bonn in das Orchester der Beethovenhalle, nach Köln in das Gürzenich-Orchester, zu den Düsseldorfer Symphonikern/Deutsche Oper am Rhein und in das Orchester der Bayreuther Festspiele. Er spielte unter Karl Böhm, Carlos Kleiner, Pierre Boulez und Sir Colin Davis.
Seit 1980 ist Nicolaus Richter Leiter der Musikschule Bayreuth. Er ist Dirigent des von ihm gegründeten Bayreuther Kammerorchesters, wurde von zahlreichen Orchestern als Gastdirigent verpflichtet und leitet seit vierzehn Jahren das Orchester des deutsch-französischen forums junger kunst, mit dem er sowohl Werke der sinfonischen Literatur als auch Opern einstudierte. Nicolaus Richter ist seit Jahren Juror beim Wettbewerb "Jugend musiziert" auf Regional-, Landes- und Bundesebene. Zudem ist er Dozent im Haus Marteau und für die Jeunesses Musicales auf Schloss Weikersheim.
Stephan Jöris (D)
wandte sich nach seinem Studium der Schul- und Orchestermusik dem Theater zu. Er war Assistent von Herbert Wernicke und Alfred Kirchner und hospitierte an verschiedenen Opernhäusern. Tätigkeiten als Spielleiter folgten am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier sowie am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin. Seit 1987 war Stephan Jöris Regieassistent, ab 1989 künstlerisch-organisatorischer Mitarbeiter bei den Bayreuther Festspielen.


