Spalicek
Das Märchen "Spalicek und die Prinzessin mit den tausend Locken"
Artikel des Nordbayerischen Kuriers vom 24. Oktober 1996
Symphonisches Märchen
Spalicek: Musiktheateratelierproduktion auf hohem Niveau - CD erschienen...
9. Musiktheater-Atelier
Märchenoper nach der Musik von Bohuslav Martinú
vom 25. März bis 10. April 1994
in Bayreuth
Im Rahmen des 9. Musiktheater-Ateliers des forums 1994 wurde die Märchenoper "Spalicek" - auf Basis der Musik des gleichnamigen tschechischen Volksballetts von Bohuslav Martinú - neu erschaffen. Nach einer Idee von Nicolaus Richter, dem auch die musikalische Leitung des Projekts oblag, verfasste der Kinderbuchautor Pit Baumgartner Text und Handlung dieses Musiktheaters. Richter selbst stellte aus dem knapp zweistündigen Ballett, das Martinú 1932 nach Märchenerzählungen und Kinderreimen auf folkloristischer Basis komponiert hatte, passende Stücke zur Untermalung der neuen Geschichte zusammen. So entstand aus "Spalicek" die "Geschichte von Spalicek und der Prinzessin mit den tausend goldenen Locken - eine getanzte Märchenoper "für kleine und große Leute".
Während der zweiwöchigen, sehr intensiven Arbeitsphase im Frühjahr 1994 versammelte sich im Internationalen Jugendkulturzentrum in Bayreuth eine Vielzahl junger Künstler aus ganz Deutschland und Frankreich. Über 60 junge Orchestermusiker kamen aus beiden Ländern zusammen, um das Werk Martinús (sowie zudem vier Orchesterbilder der vorletzten Oper von Nikolai Rimski-Korssakow) zu erarbeiten. Die stumme Darstellung der Abenteuer des jungen Spalicek übernahmen neun junge Schauspieler und Mimen der Abschlussklasse der Ecole Internationale de Mimodrame/Marcel Marceau in Paris. Begeistert von dem forums-Projekt bauten diese die Inszenierung kurzerhand in den Lehrplan ihrer Abschlussklasse ein und zogen das Einstudierte für ihre Examensarbeit heran. Zum künstlerischen Leitungsteam gehörten neben Nicolaus Richter Gérard Le Breton, der Regie führte, Stephan Jöris, der für die Ausstattung zuständig war sowie Gerhard Pohl. Dieser konnte als Erzähler für die Märchenoper gewonnen werden, um das Geschehen auf der Bühne zu kommentieren und die Zuschauer durch die Handlung zu führen.
Die Ergebnisse der künstlerischen Zusammenarbeit wurden in mehreren Aufführungen in der Stadthalle Bayreuth präsentiert. Die Uraufführung von "Spalicek", zugleich eines der großen Ereignisse der 800-Jahr-Feier der Stadt Bayreuth, fand am 8. April 1994 statt. "Spalicek", dem Hauptwerk das Abends, waren als Ouvertüre vier Orchesterbilder aus der Oper "Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronia" von Nikolai Rimski-Korssakow vorangestellt. Das junge Orchester unter der Leitung von Nicolaus Richter begeisterte das Publikum durch spielerische und technische Brillanz: "Die Qualität dieses Klangkörpers geht über die eines Schüler- oder Studentenorchesters weit hinaus; hohe Professionalität und Homogenität kennzeichnen alle Instrumentengruppen" (Nordbayerischer Kurier vom 24.10.1994). Nicht umsonst zeichnete der Bayerische Rundfunk diese Produktion auf, auf deren Basis eine "Spalicek"-CD entstand. Und auch die "ausdrucksstarke stumme Darstellung der Mimen, die klaren Grundfarben und einfachen, reduzierten Formen der Ausstattung Stephan Jöris' überzeugten" (Nordbayerischer Kurier).
Zur Handlung
Die schöne Prinzessin mit den tausend Locken verirrt sich bei einem Spaziergang im Wald und verfängt sich mit ihrem Haar in einem Rosenbusch. Die eitle Hexe Rosalia Lutz befreit die Prinzessin, schneidet ihr aber dafür eine Locke ab. Mit dieser Locke möchte sich die Hexe ihren Traum von ewiger Jugend und Schönheit herbeizaubern. Dadurch entweichen der Prinzessin die Kräfte und sie fällt in Ohnmacht. Der junge Held Spalicek findet die Prinzessin, verliebt sich auf der Stelle in sie und bringt sie zurück aufs Schloss. Dort wird Spalicek verdächtigt, Schuld am Zustand der Prinzessin zu haben. Spalicek flieht zu seinem Freund, dem Zauberer Sirius Lottermann, und bittet ihn um Hilfe. Sirius Lottermann berichtet Spalicek vom Tal der Träume, zu dem er wandern solle, um den verhängnisvollen Traum der Hexe zu fangen. Auf dem Weg in das weite Tal hat Spalicek einige Prüfungen zu bestehen. Schließlich gelingt es ihm jedoch, völlig auf sich alleine gestellt im Kampf gegen die eigene Angst, den Traum der Hexe zu fangen und die Prinzessin von ihrem Fluch zu befreien. Nach seiner Rückkehr auf das Schloss findet ein großes Hochzeitsfest für die Prinzessin und Spalicek statt.
Künstlerische Leitung
Nicolaus Richter (D)
studierte Violine an der Hochschule für Musik Köln. Seine Orchesterkarriere führte ihn nach Bonn in das Orchester der Beethovenhalle, nach Köln in das Gürzenich-Orchester, zu den Düsseldorfer Symphonikern/Deutsche Oper am Rhein und in das Orchester der Bayreuther Festspiele. Er spielte unter Karl Böhm, Carlos Kleiner, Pierre Boulez und Sir Colin Davis.
Seit 1980 ist Nicolaus Richter Leiter der Musikschule Bayreuth. Er ist Dirigent des von ihm gegründeten Bayreuther Kammerorchesters, wurde von zahlreichen Orchestern als Gastdirigent verpflichtet und leitet seit vierzehn Jahren das Orchester des deutsch-französischen forums junger kunst, mit dem er sowohl Werke der sinfonischen Literatur als auch Opern einstudierte. Nicolaus Richter ist seit Jahren Juror beim Wettbewerb "Jugend musiziert" auf Regional-, Landes- und Bundesebene. Zudem ist er Dozent im Haus Marteau und für die Jeunesses Musicales auf Schloss Weikersheim.
Stephan Jöris (D)
wandte sich nach seinem Studium der Schul- und Orchestermusik dem Theater zu. Er war Assistent von Herbert Wernicke und Alfred Kirchner und hospitierte an verschiedenen Opernhäusern. Tätigkeiten als Spielleiter folgten am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier sowie am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin. Seit 1987 war Stephan Jöris Regieassistent, ab 1989 künstlerisch-organisatorischer Mitarbeiter bei den Bayreuther Festspielen.
Gérard Le Breton (F)
gehörte als Pantomime zu den Kompanien von Marcel Marceau, Jean-Louis Barrault/Madeleine Renaud, Gilles Segal und Jean Mercure. Er arbeitete unter verschiedensten Regisseuren wie Henri Soubeyron und Jorge Lavelli, bis er mit Claude Dedieu seine eigene Truppe "Les Masques" gründete. Neben der stummen Darstellung engagierte er sich als Regisseur für Sprechtheater und Musiktheaterproduktionen in Skandinavien und Frankreich. Als Lehrer an Pantomimenschulen in Dänemark, Paris und Stockholm kann er auf mehr als 25 Jahre Erfahrung zurückgreifen. Seit 1979 unterrichtet er wieder an der Ecole Internationale de Mimodrame/Marcel Marceau, an der er seine Lehrtätigkeit auch begonnen hatte. Zudem war er Dozent an der Ecole des Mimes in Alès.
Gerhard Pohl (D)
wurde in Lübeck geboren, wo er ein Gesangsstudium begann, das er in London bei Georges Cunelli fortsetzte. Er ist Preisträger des Possehl-Wettbewerbs der Hansestadt Lübeck und trat als Opern- und Konzertsänger unter anderem in Kiel, Hamburg, Hannover, Barcelona und Kopenhagen auf. Über mehrere Jahre wirkte er als Dozent an der Städtischen Musikschule in Bayreuth, gibt seit 1983 in Frankreich, Österreich, Skandinavien und Italien Kurse in Liedinterpretation und wirkt als szenischer Leiter von Opernkursen und -produktionen junger Gesangsstudenten. Pohl leitet die Klasse Darstellung im Opernstudio Oberfranken sowie in der Opernschule Kopenhagen.


