Hänsel und Gretel
Die Oper "Hänsel und Gretel"
Artikel des Nordbayerischen Kurier vom 8. April 2002
Poetisch und vollkommen
„Hänsel und Gretel“ beim deutsch-französischen forum junger kunst ...
Aufführung vom Bayerischen Fernsehen aufgezeichnet - Lob für den Zusammenhalt im deutsch-französischen Team...
von Engelbert Humperdinck
vom 23. März bis 8. April 2002
in Bayreuth
Musikalische Leitung: Nicolaus Richter
Regie: Alberto Nason
"Ihr ’Hänsel und Gretel’ ist ein Meisterwerk allerersten Ranges. Seit Wagners leider zu früh erfolgtem Tod wurde nichts geschrieben, was sich auch nur von weitem damit vergleichen könnte! ... Ich schwelge, so oft ich Ihre herrliche Musik höre..." (Fritz Brand, technischer Direktor der Bayreuther Festspiele, anlässlich der Uraufführung von Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel")
Die Idee, die Oper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck in der Wagner-Stadt Bayreuth zur Aufführung zu bringen, liegt nahe, schließlich war Richard Wagner Humperdincks großes Vorbild und Humperdinck selbst als Assistent des Meisters einige Jahre in Bayreuth tätig. Das deutsch-französische forum junger kunst beschloss im Jahr 2000, die Märchenoper in Bayreuth zu inszenieren, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Centre National d’Insertion Professionnelle d’Artistes Lyriques (CNIPAL) und der Compagnie du Théâtre des Asphodeles Lyon.
Im Jahr 2002, im Rahmen des 16. Musiktheater-Ateliers des forums, war es dann soweit: Unser bis dahin wohl größtes und ehrgeizigstes Projekt gab jungen Orchestermusikern und Sängern aus Deutschland und Frankreich die Gelegenheit, unter professionellen Bedingungen gemeinsam die Oper "Hänsel und Gretel" zu erarbeiten und mehrfach in der Bayreuther Stadthalle zur Aufführung zu bringen. Zu ihnen gesellten sich junge Bühnen- und Maskenbildner, Beleuchtungstechniker und Schneider, die hier die Chance erhielten, ihre Fantasie und ihr Können in einem großen Theater unter Beweis zu stellen. Die musikalische Leitung der Oper Humperdincks’ lag in den bewährten Händen von Nicolaus Richter, die Regie übernahm der Italiener Alberto Nason. Zu ergänzen ist, dass die Solisten der Oper individuell gecastet wurden. Das forum hatte das internationale Opernstudio CNIPAL als Projektpartner gewinnen und dort auch vier hervorragende Sängerinnen rekrutieren können, die alle bereits ihr Gesangsstudium abgeschlossen haben und sich im CNIPAL auf eine internationale Solistenkarriere vorbereiten. Weitere Castings fanden in Berlin (Komische Oper), Nürnberg (Hochschule für Musik) und Bayreuth statt. Für die Stimmproben des Orchesters wurden insgesamt sieben versierte Dozenten, allesamt Professoren an Musikhochschulen und Orchestermusiker verpflichtet. Als Medienpartner für das 16. Musiktheater-Atelier konnte der Bayerische Rundfunk, mit dem das forum schon wiederholt zusammengearbeitet hat, gewonnen werden. Die Schirmherrschaft übernahm der international gefeierte Wagner-Tenor Siegfried Jerusalem.
Die Aufführungen am 7. und 8. April in Bayreuth erwiesen sich dann auch als voller Erfolg: "Das geniale Meisterwerk des großen Musikers aber wurde (...) so vollendet gebracht, wie es manch gut dotierte Stadttheater nicht zu Stande bringt" (Frank Piontek - Nordbayerischer Kurier von 8. April 2002). Die CD zur Aufführung kann beim forum in Bayreuth bestellt werden.
Eine Auflockerung bot die im Rahmen des Projekts vom forum organisierte und vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnete Podiumsdiskussion "Musiktheater und Musiktheaterausbildung - Chancen und Risiken im 21. Jahrhundert", an der namhafte Vertreter aus dem Kulturbereich - darunter Albert Kost, Prof. Siegfried Jerusalem und Prof. Dr. Franz Müller-Heuser - beteiligt waren.
Künstlerische Leitung
Nicolaus Richter (D)
studierte Violine an der Hochschule für Musik Köln. Seine Orchesterkarriere führte ihn nach Bonn in das Orchester der Beethovenhalle, nach Köln in das Gürzenich-Orchester, zu den Düsseldorfer Symphonikern / Deutsche Oper am Rhein und in das Orchester der Bayreuther Festspiele. Er spielte unter Karl Böhm, Carlos Kleiner, Pierre Boulez und Sir Colin Davis. Seit 1980 ist Nicolaus Richter Leiter der Musikschule Bayreuth. Er ist Dirigent des von ihm gegründeten Bayreuther Kammerorchesters, wurde von zahlreichen Orchestern als Gastdirigent verpflichtet und leitet seit vierzehn Jahren das Orchester des deutsch-französischen forums junger kunst, mit dem er sowohl Werke der sinfonischen Literatur als auch Opern einstudierte. Nicolaus Richter ist seit Jahren Juror beim Wettbewerb "Jugend musiziert" auf Regional-, Landes- und Bundesebene. Zudem ist er Dozent im Haus Marteau und für die Jeunesses Musicales auf Schloss Weikersheim.
Gerti Richter (D)
wurde im Rheinland geboren und studierte nach ihrem Abitur an der Hochschule für Musik Köln die Fächer Rhythmik, Gesang und Klavier. Nach ihrer Diplom-Prüfung zur Musikpädagogin zog sie 1981 nach Oberfranken, wo sie zunächst an der Städtischen Musikschule und an der Universität Bayreuth arbeitete. Inzwischen ist Gerti Richter Dozentin an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth und bildet hier unter anderem den Kinder- und Spatzenchor aus, mit dem sie schon 18 großangelegte Musical-Produktionen durchgeführt hat. Im Jahr 2001 gründete sie den ca. 40 Choristen umfassenden Bayreuther Jugendchor am ZENTRUM, der - verstärkt durch Schüler und Studenten der Hochschule für evangelische Kirchenmusik - den Chorpart in "Hänsel und Gretel" bestreitet. Nebenbei leitet Gerti Richter Fortbildungen im Haus Marteau sowie Rhythmikkurse für Kinder und Erwachsene im Internationalen Jugendkulturzentrum Bayreuth.
Alberto Nason (I/F)
Der gebürtige Italiener machte eine Ausbildung in den Sparten Marionettenspiel, Gesang und Gitarre und lernte bei Carlo Boso am Piccolo-Teatro di Milano das Schauspielfach und die Regeln der Commedia dell’arte. Seit 1980 lebt er in Frankreich, wo er als Schauspieler, Regisseur und commedia dell’arte-Spezialist tätig ist. Alberto Nason hat zahlreiche Theaterstücke inszeniert und in ganz Europa zur Aufführung gebracht, darunter acht für die Compagnie du Théâtre des Asphodèles, deren Regisseur er seit 1995 ist. Zwischendurch tritt er immer wieder auch als Opernregisseur in Erscheinung. Seine Inszenierungen von Werken der Komponisten Rossini, Donizetti, Puccini, Gluck und Offenbach wurden vor allem in Paris, aber auch in Avignon, Toulon, Montauban, Zürich und Sydney aufgeführt. Seit 1980 leitet Alberto Nason regelmäßig Fortbildungen für Profis und Amateure im Bereich Commedia dell’arte.


