"Trinationales Zirkus-Atelier I"
mit Alexandra Hong, Nadja Assenova, Stefan Cassani und Karim Troussi
vom 16. bis 26. April 2000 in Bayreuth
Das Trinationale Zirkus-Atelier in Bayreuth im April 2000 stellte die erste Arbeitsphase eines dreistufigen Zirkus-Projekts dar, dessen Ziel es war, den Teilnehmern eine umfassende Annäherung an den Begriff des Nouveau Cirque zu ermöglichen. Die konstante Arbeit im Rahmen der drei Seminare - die zweite Begegnung fand in Frankreich, die dritte in Bulgarien statt - bot hierfür die ideale Gelegenheit.
Das 10-tägige Zirkus-Atelier in Bayreuth wurde unter das Thema "Liebe und Freundschaft" gestellt und verlief außerordentlich erfolgreich: Bis zu zehn Stunden pro Tag bildeten sich die Teilnehmer mit unerschöpflicher Energie in den Bereichen Akrobatik, Clownerie und Pantomime fort und entwickelten gemeinsam ein Konzept für die öffentliche Abschlussveranstaltung. Neben gemeinsamen Arbeitsphasen wurden die 24 Teilnehmer teils auch in mehrere Gruppen getrennt, was ein intensives paralleles Arbeiten der künstlerischen Leiter ermöglichte. Stets wurde darauf geachtet, dass sich die Kleingruppen aus Vertretern aller drei Länder zusammensetzten, wobei grundsätzlich Übersetzungen ins Deutsche, Französische und Englische erfolgten. So wurde nicht nur als bereichernd empfunden, dass jeder Teilnehmer die Gelegenheit bekam, seine Kenntnisse in den Zirkus-Disziplinen zu vertiefen, die sonst nicht seinen Hauptarbeitsbereich darstellten, sondern auch das Entdecken der Arbeitsweisen der Partnerländer. Das gemeinsame Leben und Arbeiten der drei Nationen gestaltete sich dabei von Anfang an sehr harmonisch und absolut spannungsfrei.
Inhaltliche Schwerpunkte der Leiter
Während der ersten Arbeitsphase des trinationalen Zirkus-Ateliers stand vor allem die Vermittlung von Techniken im Vordergrund.
Der Akrobat Karim Troussi arbeitete mit den Teilnehmern vor allem an der Verbesserung ihrer Sensibilität und Intuition: Nicht Gegeneinander, sondern Miteinander lautete die Devise der Akrobaten. Dabei wurden durch gezielte Übungen Präsenz, Aufmerksamkeit und bewusste Wahrnehmung der Teilnehmer geschärft.
Der Clown Stefan Cassani geht davon aus, dass alles, was notwendig ist, um Clown zu sein, in uns ist. Daher arbeitete er mit den Kursteilnehmern gründlich an dieser eigenen Figur und gab Hilfestellungen zur Verbesserung von Bühnenpräsenz, Timing und Rhythmus der Teilnehmer. Im Laufe der gemeinsamen Arbeit rückte dann naturgemäß die Verbindung Clown-Akrobatik und Clown-Pantomime immer mehr in den Vordergrund.
Die Mimen, Tänzerinnen und Choreographinnen Alexandra Hong und Nadja Assenova zeigten den Teilnehmern, wie sie sich von tradierten mechanischen Bewegungsschemata lösen konnten, um mehr Körperbewusstsein zu gewinnen. Tanz und Pantomime wurden als Mittel zur Kontrolle und Bereicherung der Körperenergie eingesetzt.
Künstlerische Leitung
Alexandra Hong (BUL)
geboren 1961 in Uzbekistan, hat nach ihrem Studium der russischen Philologie und nach ihrer Mitwirkung in mehreren Kinofilmen in Moskau ein Schauspieldiplom erworben. An der Academy of Theatre and Film Arts in Sofia spezialisierte sie sich auf Pantomime und ist seit 1985 dort auch Dozentin für dieses Fach. Alexandra Hong war in zahlreichen bulgarischen Inszenierungen als Choreographin tätig und hat sieben eigene Produktionen auf die Bühne gebracht, darunter "Labirinthus " (1998-99), ein von ihr selbst gespieltes Ein-Frauen-Stück. In der 1996 gegründeten Show-Gruppe "The Mask" trat sie als Solotänzerin, Clown, Mime und Sängerin russischer Zigeunerlieder auf.
Nadja Assenova (BUL)
geboren 1971 in Bulgarien, hat 1998 in Sofia ein Diplom in Pädagogik erworben und parallel dazu eine Schauspielausbildung mit Schwerpunkt Pantomime an der Academy of Theatre and Film Arts in Sofia erfolgreich abgeschlossen. Neben ihrer Tätigkeit als Mimen- und Tanzlehrerin (u.a. am Sunflower Arts House) ist sie in zahlreichen Stücken im In- und Ausland als Mime und Tänzerin aufgetreten, darunter auch in mehreren Eigenproduktionen wie beispielsweise dem Stück "Wretchedness" (1999).
Stefan Cassani (D)
absolvierte, nach einem Sportstudium in München, bei Maria Thanhoffer in Wien und an der School of Mime and Physical Theatre bei Desmond Jones in London eine Pantomimen- und Clownsausbildung. Seit vielen Jahren gibt er Workshops in Körpersprache und Clownstechnik und produziert regelmäßig eigene Stücke für Kinder und Erwachsene. Bei Keith Jones (Kanada) besuchte er einige Seminare in Improvisation. 1998 beendete er eine vierjährige Weiterbildung zum Feldenkrais-Pädagogen.
Karim Troussi (F)
wurde 1966 in Marokko geboren. Wichtige Stufen seiner Ausbildung waren das Conservatoire National Supérieur d'Art Dramatique in Paris sowie das Théâtre du Soleil und das Théâtre Ecole du Passage. Schon früh vom Zirkus fasziniert, hat er zahlreiche Fortbildungen im Bereich Zirkuspädagogik, Regie, Clownerie, Tanz und Akrobatik (bei Alexandre del Perugia) absolviert. Als Schauspieler in z.T. selbstgeschriebenen und - inszenierten Theaterstücken hat sich Karim Troussi ebenso einen Namen gemacht wie als Leiter von Zirkus- und Theaterworkshops in Frankreich und Marokko.


